BahnCard 100: Sparen mit der Black Mamba Verkehrsflatrate Deutschland

Wer in einer Großstadt lebt, braucht eigentlich kein Auto. 2014 habe ich für mich beschlossen, dass ich bei dem irren Spiel der PS-Protzer aussteige. Zum ersten Mal habe ich mir damals eine BahnCard 100 geleistet. Eine Karte also, die mir für ein Jahr lang 100 Prozent Rabatt auf den Preis von Fahrkarten der Deutschen Bahn gewährt. 100 Prozent Rabatt? Richtig – ohne weitere Kosten. Einfach einsteigen – losfahren. Weil meine bessere Hälfte diese Karte für den Job braucht(e), genießen wir grenzenlose Mobilität in ganz Deutschland. Am Freitagabend ist in Dortmund nix los? Kein Problem, wir fahren nach Berlin. Morgen ist Verkaufsoffener Sonntag in Hamburg? Okay, wir setzen uns in die Bahn. Ein Hauch von Jetset für 4.000 Euro im Jahr.

Wieso erzählt uns dieser Angeber das? Ganz einfach, weil ich denke, dass die Anschaffung der teuersten Fahrkarte, die die Deutsche Bahn zu bieten hat, viel Geld sparen kann. Mein Fazit nach 5 Jahren BahnCard 100 fällt durchweg positiv aus. Obwohl ich rund 20.000 Euro an die DB AG gezahlt habe, wird mir bei diesem Gedanken nicht schlecht – denn ich habe locker die gleiche Summe gespart. Weil ich kein Auto mehr besitze. Das geht – klar – nur in der Großstadt. Daher ja auch der Anfang dieses Beitrags („Wer in einer Großstadt lebt…“). Meine Eltern wohnen in Flierich. Das ist ein Dorf zwischen Unna und Hamm, im Niemandsland zwischen Ruhrgebiet, Sauer- und Münsterland. Ein Golddorf, aber gute Anbindung per Bus oder gar Bahn? Dass ich nicht lache…

Aber ich schweife ab. Erstmal ein Bild. Wir brauchen ein Bild. Von einem ICE! Dank meiner BahnCard 100 darf ich nämlich ohne weiteres Ticket in jeden Schnellzug der Bahn steigen. Sooooo geeeeil. : )

Mit der BahnCard 100 darf ich ohne weiteres Ticket in jeden ICE steigen

Aber kommen wir zurück zum Spargedanken. Dazu lohnt natürlich erst einmal ein Blick auf die Fakten. Was bietet mir denn (m)eine BahnCard 100? Warum lohnt es sich, die Black Mamba zuzulegen? Die Bahn selbst bewirbt ihr Top-Produkt mit dem Motto „12 Monate ticketlos reisen„.

  • Gratis Nutzung des DB-Fernverkehr (ICE und IC)
  • Gratis Nutzung im IC-Bus (reservierungspflichtig)
  • Gratis Nutzung der ÖBB-Nightjet-Züge (reservierungspflichtig)
  • Gratis Nutzung des Regionalen Bahnverkehrs (IRE, RE, RB, S)
  • Gratis Nutzung in vielen Privatbahnen und Verkehrsverbünden
  • Gratis Nutzung vieler U-Bahnen und Busse (City-Ticket)
  • Gratis Nutzung vieler Busgesellschaften und sogar Fähren (Hamburg)
  • Bis zu vier Kinder von 6 bis einschließlich 14 Jahren fahren in Begleitung ihrer Eltern/Großeltern kostenlos mit.
  • Ermäßigung für Fahrten im Ausland
  • Gratis Nutzung der DB Lounge, inkl. Kaffee und Kaltgetränke, Zeitungen
  • Rabatt für den Erwerb von Partner-BahnCards (25 / 50)

Eine lange Liste.

Ab wann lohnt sich die BahnCard 100?

Die Frage, ab wann sich eine BahnCard 100 lohnt, ist einfach oder komplexer zu beantworten. Die auf der Hand liegende Alternative wäre die Anschaffung einer BahnCard 50 für 255 Euro in der zweiten Klasse (und nur von der ist in diesem Artikel generell immer die Rede!) – und dem Buchen von Tickets. Soll sich die BahnCard 100 lohnen, müsste ich also für diese Fahrkarten mehr als 8.280 Euro pro Jahr ausgeben. Weil diese Summe ja um 50 Prozent rabattiert (4140 Euro) und (um den Preis der BC50 addiert) dem Preis der BC100 ergibt.

Aber ist das tatsächlich so? Wie sieht’s mit den vielen Zusatzleistungen aus? Muss man die nicht mit berücksichtigen?

Angenommen, der BahnCard 100-Besitzer ist Pendler in einer Großstadt. Er fährt jeden Morgen 10 Minuten eher zum Bahnhof (gratis mit der U-Bahn) und holt sich in der DB Lounge noch zwei Kaffe. Die zwei Kaffee würde jemand ohne BC100 beim Bäcker kaufen. Bei Pi mal Daumen 250 Arbeitstagen pro Jahr und einem Euro pro Kaffee sind das schon 500 Euro nur für Kaffee pro Jahr, die der BC100-Besitzer spart. Der BC100-Kunde nutzt den ICE, um von der einen Stadt in die andere zu gelangen – ist viel schneller, bequemer, ausgeruhter am Ziel. Alles Dinge, die man nur schwer in Zahlen fassen kann.

Ich weiß – das alles klingt nach Milchmädchen- und Schön-Rechnerei! Aber der Luxus, einfach in jedes Verkehrsmittel in Deutschland steigen zu können, ist einfach genial! Sich nicht erst Gedanken machen zu müssen: Habe ich Kleingeld für den Automaten dabei? In Hamburg kann ich mit der BC100 sogar die HVV-Fähren im Hafen nutzen. Mit dem Boot einfach mal nach Finkenwerder schippern! Verdammt, ist das cool!

Selbst die Zeit, die andere fürs Buchen der Tickets benötigen, muss mit einbezogen werden. Ich bin rundum zufrieden!

Aber der Service ist doch so schlecht…

So ein Quatsch. Schon 2012 hat Harald Schmidt festgestellt, dass Deutsche zu doof zum Bahnfahren sind. Daran hat sich nichts, aber auch gar nichts geändert.

Tatsächlich beobachte ich immer wieder, dass nicht die Bahn das Problem ist – sondern die Bahnfahrer. Leute, die mit tausend Taschen Gänge verstopfen, obwohl sie fünf Wagen weiter ihren Sitzplatz haben. Oder Kegelvereine, die nervenraubend Gröhlen (dagegen helfen diese Kopfhörer übrigens sehr, sehr gut!). Oder der Typ, der wohl seinen Anschluss nach Böblingen verpasst und dies per Handy seiner Mutter so laut mitteilt, dass auch der Zugführer Bescheid weiß… Die Bahn ist besser als ihr Ruf. Das könnt ihr jemandem glauben, der jeden Tag in Zügen aller Gattungen unterwegs ist.

Auch in U-Bahnen kannst du mit der BahnCard 100 ticketlos reisen

Bei jeder Fahrt mit meiner geliebten U41 der Dortmunder Stadtwerke benötige ich kein Ticket. Das anerkennende Nicken des Kontrolleurs, wenn er die Karte sieht – jedes Mal witzig. Noch so ein Thema.

Das Ticket 2000, das Fahrten in ganz Dortmund mit Bus und Bahn möglich macht, kostet im Abo 77,35 Euro im Monat. Will ich jeden Tag nach Bochum pendeln, kostet es mich schon 107,96 Euro. 108 Euro für 20 Kilometer Strecke.

Ja! Meine BahnCard 100 kostet mich rechnerisch 366,25 Euro im Monat und jaaaa, das ist deutlich mehr! ABER: Es ist im Verhältnis nicht so viel mehr. Verstehst du, was ich meine?

  • 20 Kilometer für 108 Euro (Dortmund — Bochum)
  • 1036 Kilometer für 366 Euro (Flensburg — Garmisch Partenkirchen)

Das ist doch ein krasses Missverhältnis. Findest du nicht? Wenn man die Preise ins Verhältnis setzt, müssten die BahnCard 100 entweder 5.594,40 Euro im Monat kosten oder aber das Ticket 2000, Preistufe B, nur 7,07 Euro im Monat kosten. Je nachdem, welchen Preis man als fair ansieht.

Faktor Wohnkosten nicht außer Acht lassen

Am besten finde ich es immer, wenn Leute mit Vorhaltungen machen, meine BC100 wäre ein Luxus, die selbst in einer Stadt leben, die hohe Wohnkosten hat. In einem anderen Beitrag hatte ich es ja schon mal erwähnt – wir leben in einer sehr schönen Wohnung einer Wohnungsbaugenossenschaft – und in Dortmund ist das Wohnen tendenziell eher günstig. Wenn Bekannte aus Köln, Düsseldorf, Hamburg, Berlin oder München unsere Warmmiete hören, hören wir oft: „Krass, dafür kriegste hier gerade mal ein Wohnklo.“ Ja, PP! Persönliches Pech! Dann zieh doch in den Speckgürtel deiner Hip-Metropole und hole dir eine BahnCard 100. Mehr Lebensqualität inklusive! : )

Argument Schwarzfahren

Nun ist es so, dass die Bahn relativ tolerant zu sein scheint mit Menschen, die ohne ein Ticket in die Fernverkehrszüge steigen. Jedenfalls kann ich als Vielreisender sagen, dass ich kaum eine Schaffnerin oder einen Schaffner habe rummeckern hören, wenn ein Gast sein Ticket erst im Zug löst. In U-Bahnen oder dem Nahverkehr kann das – je nach Laune des Kontrolleurs – auch gern mal SCHWARZFAHREN sein. Einige Leute scheinen das ja zu perfektionieren. Sie wissen, dass der RE1 so chronisch überfüllt ist – da kommt ohnehin niemand kontrollieren. Und selbst wenn – das rechnet sich…

Ich finde das ziemlich assig. Aber selbst solche Bekannte habe ich. Leute, die ohne Ticket in den ICE steigen – und wenn nicht schnell genug kontrolliert wird, dann steigen sie eben wieder aus ohne bezahlt zu haben. Da muss die Bahn besser werden. Echt.

Argument Studententicket

Mein Kumpel ist Richter. Ein alter Mann, schon lange im Job, die Kinder sind aus dem Gröbsten raus. Er ist wie eine deutsche Eiche. Niemand würde denken, dass er Student ist. Ist er aber – wegen des Semestertickets. Das bekam ich zufällig mit, als wir neulich mit der Bahn zusammen unterwegs waren und im RE1 kontrolliert wurde. Ich habe mit den Augen gerollt. Ein Mann wie ein Berg, zeigt dem Kontrolleur seinen Studierendenausweis. Der Kerl trägt 7.000 Euro im Monat nach Hause und versucht wohl zu sparen wo es nur geht.

Der Fernverkehr – den er eigentlich gern nutzen würde – ist tabu für ihn. Dafür zahlt er nur rund 600 Euro für seine NRW-BahnCard 100 im Viehtransport Regionalverkehr.

Eigentlich auch keine Option, wenn man mal ehrlich ist – oder?!

BahnCard 100 – LiebLinks zum Thema

Bei meiner Recherche sind mir einige Seiten aufgefallen, die zur BC100 schon das eine oder andere geschrieben haben. Daher hier mal eine Zusammenfassung meiner LiebLinks zu diesem Thema…

Text – von Jens. Fotos von Ingo Joseph/Pexels (1, ICE), Jeffrey Czum/Pexels (1, U-Bahn)

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2 Kommentare

  1. Servus,

    sehr schöner Bericht. Ich finde die Bahncard 100 auch verlockend. Aber für mich auf dem Land zu teuer und zu wenig nutzbar. Ich bräuchte weiterhin ein Auto und damit rechnet sich die Sachen nicht.
    Ich glaube der große Vorteil, gegenüber der Rechnerei mit der Bahncard 50 ist, dass man einfach fährt und gut ist.
    Beim Bahncard 50 Modell fängt man doch wieder am Rechnen oder überlegen, ob man eine Fahrt machen soll.

    Ansonsten kommt man auch mit Sparpreisen inzwischen extrem günstig von A nach B. Mit etwas Planung natürlich. Ich bin seit Jahren keine lange Strecke mehr mit dem Auto gefahren. Bahnfahren ist deutlich angenehmer, trotz Verspätungen und Problemen ab und zu.

    Gruß
    Fuseboroto

    • Hallo Fuseboroto,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Absolut… Daher ja auch der Eingangssatz „für Leute, die in Großstädten leben“. Auch für Sehr-Wenig-Fahrer, weil sie auch mit dem Auto sehr wenig fahren, ergibt eine BC100 natürlich wenig Sinn. : )

      VG
      Jens

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