Zoff um PSD2 beim Online-Banking: Targobank kündigt 90-Tage-Regel an

Es gibt Zoff rund um das komplexere Anmelden im Online-Banking der Targobank. Um mir hohe Tagesgeld-Zinsen zu sichern habe ich bei der Targobank ja ein Depot eröffnet und Wertpapiere übertragen. Sehr empfehlenswert. Aber auch ich finde es krass, wie die Targobank die neuen Regelungen der EU zum Thema Onlinebanking – auch unter der Abkürzung PSD2 bekannt – auslegt. Bei jedem Login muss man eine mTAN eingeben. Ist sicher, aber auch mega nervig. Seit diese Regelung gilt, kann man Apps wie Outbank oder andere übersichtliche Lösungen praktisch kaum noch nutzen.

Zoff gibt es darum vor allem an der Hotline der Targobank – ich möchte dort aktuell nicht im Call Center arbeiten – und auf den Social Media-Kanälen.

Und wieder eine Regelung, die nicht nur für den regulären Kunden massive Nachteile mit sich bringt, sondern vor allem behinderte Menschen noch weiter ausgrenzt.
Es gibt Menschen, die aufgrund motorischer Einschränkungen kein Smartphone bedienen können und die jetzt nicht einmal mehr in der Lage sein werden, ihren Kontostand einfach online einzusehen. Das ist in höchstem Maße diskriminerend!

schreibt Thomas B. bei Facebook

Oder auch…

Ganz toll. Ich kann meine Kreditkartenabrechnung nicht mehr einsehen, weil ich weder itan noch mtan noch sonstirgendwelchen Tan-Mist habe. Da ich kein online banking nutze (und auch nicht nutzen möchte), dachte ich eigentlich, mich würde die Umstellung nicht betreffen. Da ja aber auf Papierform von Rechnungen schon seit Ewigkeiten verzichtet und alles digital macht wird, wurde mir nun quasi der Einsicht in mein eigenes Konto verwehrt und somit die Kontrolle, ob die abgebuchten Beträge auch korrekt sind. Danke!

Marko H. bei Facebook

Grund genug, den Kolleginnen und Kollegen der Pressestelle der Targobank ein paar Fragen zu dem Zoff zu stellen. Um die Nachricht vorweg zu nehmen… Bald können sich Targobank-Kunden wohl freuen. Sie müssen bald wohl nur noch alle 90 Tage einen zweiten Faktor eingeben. Coole Sache!!! Hier das ganze (per Mail geführte) Interview…

Zoff oder kein Zoff, das ist hier die Frage

1. Wie bewertet die Targobank die neue Richtlinie?

Mit der letzten Stufe der PSD2 soll insbesondere die Sicherheit im Online Zahlungsverkehr erhöht werden. Dies ist durchaus sinnvoll, jedoch stellen die neuen Regeln Kunden, Händler und auch Drittdienste vor einige neue Herausforderungen, an die sich die Beteiligten wohl erst noch gewöhnen müssen.

2. Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die Richtlinie für Targobank-Kunden umzusetzen?

Schon mit Veröffentlichung der neuen Vorschriften war absehbar, dass für die Banken die Kundenkommunikation zu den größten Herausforderungen gehören würde. Entsprechend früh begann die TARGOBANK mit ihren Vorbereitungen und informierte bereits Ende 2018 ihre Kunden das erste Mal. Die Kommunikation umfasste mehr als 100 Einzelmaßnahmen und schloss eine eigens für PSD2 eingerichtete und über diverse Kanäle kommunizierte Internetseite mit ein.

3. Laut Handelsblatt war beabsichtigt, dass durch PSD 2 alles sicherer und komfortabler wird. Wie bewertet die Targobank Wunsch und Wirklichkeit?

Die PSD2 Richtlinie trägt mit der starken Kundenauthentifizierung durchaus zur Erhöhung der Kundensicherheit bei. Allerdings empfinden nicht wenige Kunden die zusätzliche Authentifizierung auch als lästig und umständlich.

4. Einige Banken verlangen nur alle 90 Tage eine Legitimierung des Kunden durch einen zweiten Faktor. Wieso verlangt die Targobank dies bei jedem Login?

Die TARGOBANK hat sich im Interesse eines möglichst schnellen Gewöhnungsprozesses bei den Kunden entschieden, bis auf weiteres bei jedem Login die TAN abzufragen. Die Einführung der sogenannten 90-Tage-Regel erfolgt im nächsten Schritt.

5. Bei der Verbraucherzentrale häufen sich die Beschwerden rund um PSD 2. Können Sie etwas zum Mehraufwand sagen, der durch diese Richtlinie bei der Targobank entstanden ist?

Wir registrieren ein erhöhtes Aufkommen an telefonischen Anfragen. Deren Auswertung hat ergeben, dass manche Kunden bei der Umstellung auf die neuen TAN-/ Authentifizierungs-Verfahren den zusätzlichen Aufwand oft nicht nachvollziehen können.

6. Wie viele Kunden beschweren sich über komplizierteres Banking?

Die TARGOBANK verzeichnet ein leicht erhöhtes Beschwerdevolumen im Online-Banking. In Teilen ist dies auf die Einführung der starken Kundenauthentifizierung zurück zu führen.

7. Gab es bereits Kündigungen wegen PSD 2, bzw. der restriktiven Umsetzung durch die Targobank (vgl. Frage 4)?

Kündigungen aufgrund der PSD2 sind uns nicht bekannt.

Hat der Zoff also gewirkt? Cool, dass die Targobank „im nächsten Schritt“ nur noch alle 90 Tage die mTAN verlangen will.

Der Zoff um strenge PSD2-Regeln bei der Targobank hat wohl ein Happy End

← Vorheriger Beitrag

Nächster Beitrag →

1 Kommentar

  1. Servus,
    alle 90 Tage mal einen zweiten Faktor ist ja noch OK. Wie es derzeit umgesetzt wird, von vielen Banken ist es nichts. Ich bin bei der Diba, bei jedem Login heißt es jetzt:

    – Benutzername und Passwort
    – Online-Banking PIN mit der Maus eingeben
    – Smartphone auswählen
    – Smartphone App öffnen
    – Pin eingeben
    – App meldet, oh da will sich jemand einloggen
    – Pin nochmal eingeben
    – 10 Sekunden warten und Login erfolgt

    Spaßig wird es beim Online-Banking, wenn man nen Kontenrundruf macht. 🙂

    Gruß
    Fuseboroto

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.