Holger Grethe von zendepot.de im Interview

Dr. Holger Grethe (Foto) bloggt und podcastet über private Finanzen und unterstützt Menschen dabei, erfolgreich Vermögen in Eigenregie zu bilden. Wenn Du auf einfache und gelassene Weise mehr aus deinem Geld machen willst, schaue doch mal auf zendepot.de vorbei. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf. Ich habe ihn um ein Interview gebeten und freue mich, dass er einen „Blick hinter die Kullissen“ ermöglicht… Viel Spaß! :)

Holger Grethe spricht über aktive und passive Fonds

Hallo Holger! Danke für dieses Interview! Wie stehen die Aktien?
Holger Grethe: Keine Ahnung. Ich beschäftige mich nicht mit dem Tagesgeschehen an der Börse.

Stimmt. Du magst Indexfonds. Aber dazu später mehr. Wir kennen dich von zendepot.de, wo Du als Arzt einen Finanzblog betreibst. Wie kam’s dazu?
Holger Grethe: Ein Arzt, der über Finanzen schreibt: Das liegt nicht wirklich nahe, da gebe ich dir Recht. Neben der Tatsache, dass ich bei der Geldanlage das Optimum für die Ersparnisse unserer Familie herausholen will, bin ich auch gerne unternehmerisch tätig. Auf zendepot.de kann ich nun mein Wissen weitergeben, wie man erfolgreich in Eigenregie Vermögen bildet und mir damit gleichzeitig ein profitables Online-Business aufbauen.

Allgemein denkt man: Ärzte haben viel Geld. Stimmt das?
Holger Grethe: Ich kann nicht klagen… Aber im Ernst: Ärzte verdienen sicher nicht schlecht, müssen in der Regel aber auch viel dafür arbeiten.

Bankkunden fahren schlecht mit vielen aktiven Fonds

Was meinst Du? Können Menschen mit viel Geld besser mit Geld umgehen als Menschen mit wenig Geld?
Holger Grethe: Die Frage ist: Was ist Henne und was Ei? Wer wenig Geld hat, kann nur zu mehr Geld kommen, wenn er gut damit umgehen kann. Wer viel Geld hat und nicht damit umgehen kann, hat schnell nur noch wenig Geld. Das belegen die Fälle der Lottogewinner, die nach wenigen Jahren pleite sind.

Du bist ein Verfechter des passiven Investierens. ETF’s spielen da die allererste Geige. Sie sind aber (wenn ich mich recht entsinne) doch eine vergleichsweise neumodische Erscheinung. Was glaubst Du, wieso hat es so lange gedauert, bis Indexfonds die Aufmerksamkeit bekommen haben, die ihnen zusteht?
Holger Grethe: Weil sie nicht aktiv vertrieben werden wie die klassischen Investmentfonds. Mit ETFs können Banken und Finanzvertriebe nicht viel verdienen, die Marge ist gering. Kein Wunder, dass man da sich da kein Bein ausreißt und lieber weiter die gebührenbeladenen Investmentfonds unters Volk bringt. Auch wenn die Kunden damit schlechter fahren…

Du plädierst für ein stoisches Durchhalten aller Börsenphasen. Motto: Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt zum Kaufen oder Verkaufen. Oder wie ALF es sagte: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es… Bist Du denn selbst schon einmal schwach geworden und hast gegen deine eigenen Regeln verstoßen?
Holger Grethe: Bisher noch nicht. Mein Mindset ist, dass Börsentiefs etwas Gutes sind. Für mich als Anleger jedenfalls, der sich in der Phase des Vermögensaufbaus befindet. Sind die Kurse gefallen, kann ich günstig mehr Anteile einkaufen. Was will man mehr? Ein rotes Vorzeichen auf dem Depotauszug ist heute völlig irrelevant, wenn ich das Geld erst in 20 oder 30 Jahren brauche.

Replikationsmethode ist Nebensache

Mehrfach beziehst Du dich auf Wirtschaftswissenschaftler und hast den Buchautor Dr. Gerd Kommer kürzlich sogar interviewt. Wie viele Finanzbücher stehen in deinem Schrank?
Holger Grethe:
Da stehen gar nicht mal so viele, da ich mittlerweile fast nur noch auf dem Kindle lese. Insgesamt werde ich bis dato wohl etwa 25-30 Finanzbücher gelesen haben.

Um mal kurz auf die Produkt-Ebene zu kommen: Bist Du eher Fans von synthetischen oder vollreplizierenden Indexdonfds? Und warum?
Holger Grethe: Ich bin da ziemlich unreligiös und habe ETFs beider Sorten im Depot. Es gibt keinen Nachweis, dass die eine Replikationsmethode der anderen signifikant überlegen wäre.

Kannst Du einzelne Produkte empfehlen oder lehnst Du welche ab? Warum?
Holger Grethe: Ich empfehle grundsätzlich keine einzelnen Produkte, da ich kein Finanzberater bin. Außerdem möchte ich, dass die Leute sich eigene Gedanken machen und selbst entscheiden, in was sie investieren und in was nicht. Ich lehne ETFs ab, die spekulativ ausgerichtet sind (z.B. Short-ETFs und Hebel-ETFs) und irgendwelche Speziel-Spezial-Themen-ETFs, die nach wenigen Jahren schon wieder dicht gemacht werden, weil das Fondsvolumen zu gering ist.

Gerade Menschen mit geringen oder mittleren Einkommen können keine großen Sprünge machen. Auch nicht in Sachen Geldanlage. Hältst Du Sparpläne für sinnvoll? Und wenn ja, wie sollte man sie ausgestalten?
Holger Grethe: Sparpläne sind sicher keine schlechte Sache. Was ich für suboptimal halte, ist, ziellos einfach vor sich hinzusparen. Es macht definitiv Sinn, sich eine Anlagestrategie zu erarbeiten, bevor man an der Börse investiert.

Jede Versicherung kostet nur unnötig Geld

Teuer, teuer – auch die Steuer. Manche mögen fondsbasierte Rentenversicherungen, eine Art Fondssparplan im Versicherungsmantel. Einige dieser Produkte sind ja auch deutlich günstiger geworden als noch vor ein paar Jahren. Was hältst Du von diesen Policen? Nutzt Du selbst welche?
Holger Grethe:
Nein. Jeder Versicherungsmantel bringt Zusatzkosten bei fraglichem Zusatznutzen. Vermögensaufbau ist Vermögensaufbau und Risikoabsicherung ist Risikoabsicherung. Beides ist sinnvoll und notwendig, aber es sind nun mal zwei paar Schuhe. Dementsprechend sollte auch keine Verquickung der beiden Bereiche auf Produktebene stattfinden.

Ich mag Deine Posts total. Du kommst irgendwie echt authentisch rüber – obwohl ich vor allem beim Podcast den Eindruck habe, dass Du abliest… Ehrlich: Liest Du ab?
Holger Grethe: Natürlich lese ich ab! Du glaubst nicht im Ernst, dass ich den ganzen Quark vorher auch noch auswendig lerne, bevor ich ihn einspreche!? Welchen Zusatznutzen sollte das außerdem für meine Hörer haben? Frag doch mal Klaus Kleber vom Heute Journal, ob er seine Texte auswendig in die Kamera spricht. Oder Radiomoderatoren… ;-)

Mehrfach hast Du bereits Position bezogen, wenn’s um die Frage geht: Kaufen oder Mieten? Wohnst Du echt selbst zur Miete?
Holger Grethe: Ja, total echt! Ich bin überzeugter Mieter und sage das nicht nur so, damit ich provokative Artikel darüber schreiben kann. Ein (selbstbewohntes) Haus ist nach meinem Verständnis kein (gutes) Investment.

Okay. Letzte Frage: Du sitzt als Rentner am See und sinnierst über das Leben. Mit dem gerade erschienen „iPhone 36“ rufst Du dein Depot ab und grinst. Wieviel Prozent ist dein Depot im Plus und mach bitte ein „Selfie“ mit dem Gesichtsausdruck, wie Du dich dann freust. :-)
Holger Grethe: Da ich meinen Depotstand grundsätzlich nicht per Handy abrufe, muss das Selfie wohl leider entfallen. I’m sorry! ;-)

Vielen Dank für deine Antworten, lieber Holger… Und das ist er – der Mann hinter zendepot.de… Holger Grethe. :-)

Holger Grethe, Foto: Claudia Zurlo

Text: Jens / Bilder: Claudia Zurlo Photography (Link) / Screenshot von zendepot.de

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